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20.04.26

Warum Parodontitis mehr als nur ein Zahnproblem ist

In Deutschland sind schätzungsweise 30 bis 35 Millionen Menschen von einer Parodontitis betroffen. Damit handelt es sich um eine weit verbreitete Volkskrankheit, wobei etwa 10 bis 14 Millionen Menschen an einer schweren Form leiden. Typische Anzeichen sind Zahnfleischbluten, gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch, Mundgeruch und zurückgehendes Zahnfleisch.

Parodontitis gehört somit weltweit zu den häufigsten chronischen Erkrankungen – und wird dennoch oft missverstanden. Die langjährigen Erfahrungen von Mundgesundheits-Experten und Zahnarzt Dr. Markus Schadt zeigen eindrücklich: Wer Parodontitis wirklich behandeln will, muss sie zuerst neu denken.

Was ist Parodontitis eigentlich?

Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparats, bei der es zu drei zentralen Prozessen kommt:

  • Entzündung des Zahnfleisches
  • Abbau von kollagenen Fasern
  • Knochenabbau im Kiefer

Diese Prozesse führen langfristig dazu, dass Zähne ihre Stabilität verlieren und im schlimmsten Fall ausfallen.

Der Ursprung liegt im sogenannten Biofilm – einer natürlichen Bakterienschicht auf den Zähnen. Problematisch wird es, wenn sich darüber Plaque (Speisereste) ansammelt und ein ungünstiges mikrobielles Gleichgewicht entsteht.

Die klassische Theorie greift zu kurz

Lange galt: Bestimmte „böse" Bakterien seien die Hauptursache der Parodontitis. Doch diese Sicht ist zu einfach, denn:

  • Diese Bakterien kommen bei nahezu jedem Menschen vor
  • Nicht jeder entwickelt Parodontitis
  • Auch gute Mundhygiene schützt nicht immer

Die Schlussfolgerung daraus ist also, dass nicht einzelne Keime entscheidend sind, sondern das gesamte Milieu im Mund.

Der entscheidende Faktor: das Milieu

Ein zentraler Gedanke der Ansätze zum Krankheitsbild von Dr. Schadt ist die sogenannte Milieu-Theorie. Sie besagt, dass nicht die Bakterien die Krankheit bestimmen – sondern das Umfeld, in dem sie leben.

Ein ungünstiges Milieu zeichnet sich durch eine Übersäuerung des Gewebes, das Ungleichgewicht der Bakteriengemeinschaft und oxidative Prozesse (freie Radikale) aus.

In einem solchen Umfeld können entzündungsfördernde Prozesse dominieren. Parodontitis ist damit weniger ein „Infektionsproblem" als vielmehr eine Störung des biologischen Gleichgewichts.

Das Immunsystem als Mitverursacher

Ein besonders spannender Aspekt: Ein Großteil des Schadens entsteht nicht direkt durch Bakterien, sondern durch das Immunsystem selbst.

Durch Fehlregulationen werden Enzyme aktiviert, die:

  • körpereigene Kollagenfasern abbauen
  • den Zahnhalteapparat zerstören

Parodontitis ist also auch eine fehlgesteuerte Immunreaktion.

Biofilm: Feind oder Freund?

Ein wichtiger Perspektivwechsel:
Der Biofilm ist kein Feind, sondern ein natürlicher Bestandteil des Körpers.

Entscheidend ist, welche Bakterien darin überwiegen und wie stabil das Gleichgewicht ist. Im gesunden Zustand halten sich „gute" und „schlechte" Bakterien die Waage. Kippt dieses Gleichgewicht, entstehen Entzündungen.

Neue Therapieansätze: Gleichgewicht statt Kampf

Statt Bakterien aggressiv zu bekämpfen, setzt der vorgestellte Ansatz auf Regulation und Kooperation:

1. Milieu-Verbesserung
Ziel ist ein Umfeld, in dem „gute" Bakterien dominieren

2. Probiotische Unterstützung
Durch gezielte Zugabe nützlicher Mikroorganismen kann das Gleichgewicht stabilisiert werden und die Entzündungsneigung sinken. Diese Mikroorganismen „kommunizieren" mit vorhandenen Keimen und beeinflussen sogar neutrale Bakterien, sich positiv auszurichten.

3. Ganzheitlicher Ansatz
Parodontitis wird nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang mit:

  • Darmgesundheit
  • Immunsystem
  • Ernährung

Denn: Rund 70 % der Immunzellen sitzen im Darm – ein gestörtes Gleichgewicht dort kann sich direkt auf den Mund auswirken.

Die vier Säulen der Behandlung

Eine erfolgreiche Therapie basiert laut Dr. Schadt auf einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren:

  1. Mundhygiene
    Regelmäßiges Zähneputzen und konsequente Interdentalpflege
  2. Professionelle Zahnreinigung
    Entfernung von Belägen und Reinigung der Zahnfleischtaschen
  3. Ernährung und Mikronährstoffe wie Vitamin D3, Vitamin K2, Magnesium und Omega-3-Fettsäuren
  4. Milieu-Management
    Unterstützung durch probiotische Maßnahmen zur Stabilisierung der Mundflora

Parodontitis als Systemerkrankung

Ein besonders wichtiger Aspekt:
Parodontitis betrifft nicht nur den Mund. Denn: Entzündete Zahnfleischbereiche, die so groß wie eine Streichholzschachtel sein können, wirken wie offene Eintrittspforten für Bakterien in den gesamten Körper.

Studien zeigen Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenerkrankungen, systemischen Entzündungen und neurologische Erkrankungen.

Fazit

Parodontitis ist keine einfache bakterielle Infektion, sondern eine komplexe, systemische Erkrankung, die aus dem Zusammenspiel von mikrobiologischem Gleichgewicht, Immunsystem und Lebensstil entsteht. Die Zukunft der Behandlung liegt weniger im „Bekämpfen" von Keimen, sondern im Wiederherstellen eines gesunden Gleichgewichts – im Mund und im gesamten Körper.

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Das Webinar zum Thema, in dem Dr. Markus Schadt ausführlich zum Thema Parodontitis spricht findest du hier

Gesund beginnt im Mund