05.05.26
Was ist das Mikrobiom? – Ein Überblick
Du bist mehr Bakterie als Mensch
Klingt seltsam, ist aber buchstäblich wahr: In und auf deinem Körper leben schätzungsweise 38 Billionen Bakterien. Damit übersteigt die Zahl der Mikroorganismen die Zahl deiner eigenen Körperzellen. Diese unsichtbare Welt aus Bakterien, Pilzen, Viren und anderen Mikroorganismen nennt man Mikrobiom und diese Welt hat einen tiefgreifenden Einfluss auf deine Gesundheit.
Was ist das Mikrobiom? Einfach erklärt
Das Mikrobiom bezeichnet die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die in und auf deinem Körper leben, sowie deren genetisches Material. Manchmal wird auch der Begriff Mikrobiota verwendet, der streng genommen nur die Mikroorganismen selbst beschreibt, ohne ihre Gene. Im alltäglichen Sprachgebrauch werden beide Begriffe häufig synonym verwendet.
Dein Mikrobiom ist dabei so individuell wie dein Fingerabdruck. Es bildet sich von Geburt an und wird ein Leben lang durch Ernährung, Umfeld, Lebensweise und viele weitere Faktoren geprägt.
Mikroorganismen besiedeln deinen gesamten Körper, von innen und von außen:
- Darm: mit Abstand die größte und vielfältigste Besiedelung, kann es bis zu 500 Gramm wiegen.
- Haut: die äußere Schutzbarriere
- Mund & Rachen: das orale Mikrobiom
- Leber: über die Darm-Leber-Achse eng verbunden
- Intimbereich: besonders das vaginale Mikrobiom (Vaginom) der Frau
- Atemwege, Augen, Kopfhaut: und viele weitere Orte
Das Mikrobiom: dein "unterschätzes Organ"
Die Wissenschaft betrachtet das Mikrobiom heute als eigenständiges funktionales Organ des menschlichen Körpers. Denn es übernimmt lebenswichtige Aufgaben:
- Es trainiert und reguliert das Immunsystem, denn rund 70 % der Immunzellen befinden sich im Darm
- Es unterstützt die Verdauung und hilft bei der Aufnahme von Nährstoffen
- Es beeinflusst die Psyche. Über die sogenannte Darm-Hirn-Achse stehen Mikrobiom und Stimmung in direktem Austausch
Ein gesundes, vielfältiges Mikrobiom ist damit eine der wichtigsten Grundlagen deiner Gesundheit.
Das Mikrobiom und seine Wirkung auf deinen Körper
Das Mikrobiom beeinflusst weit mehr Bereiche deines Körpers, als die meisten Menschen ahnen. Hier ein Überblick über die wichtigsten Zusammenhänge:
Darm-Mikrobiom: Der Darm ist das Zentrum deines Mikrobioms. Hier leben Billionen von Bakterien, die Nahrung aufschließen, Vitamine produzieren und die Darmschleimhaut schützen. Ein gestörtes Darmmikrobiom steht mit Beschwerden wie Blähungen, Reizdarm und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen in Verbindung.
Immunsystem: Ein Großteil deines Immunsystems ist direkt mit dem Darm verbunden. Das Mikrobiom entscheidet maßgeblich darüber, wie gut dein Körper Krankheitserreger erkennt und abwehrt, aber auch wann er überschießt, etwa bei Allergien oder Autoimmunerkrankungen.
Haut-Mikrobiom Auch deine Haut trägt ein eigenes Mikrobiom. Es bildet eine unsichtbare Schutzbarriere gegen Krankheitserreger und beeinflusst Erkrankungen wie Akne, Ekzeme, Neurodermitis und Rosazea direkt.
Leber & Darm-Leber-Achse Über den Blutkreislauf stehen Darm und Leber in ständigem Austausch. Stoffwechselprodukte der Darmbakterien beeinflussen die Leberentgiftung, ein gestörtes Mikrobiom kann die Leber dauerhaft belasten.
Mund-Mikrobiom Im Mund beginnt nicht nur die Verdauung, hier lebt auch ein komplexes mikrobielles Ökosystem. Es hat Einfluss auf Karies, Zahnfleischgesundheit, Mundgeruch und steht sogar mit systemischen Erkrankungen in Verbindung.
Frau & vaginales Mikrobiom Das Mikrobiom der Frau umfasst neben dem Darm auch den Intimbereich. Ein gesundes vaginales Mikrobiom schützt vor Infektionen und spielt eine wichtige Rolle bei Zyklusgesundheit, Schwangerschaft und Kinderwunsch.
Kinder & Mikrobiom Kinder bauen ihr Mikrobiom von Geburt an, beeinflusst durch Geburtsweg, Stillen und Umfeld auf. Eine gesunde frühe Besiedelung legt den Grundstein für ein starkes Immunsystem und kann das Allergierisiko senken.
Wie merke ich, dass mein Mikrobiom gestört ist?
Ein gesundes Mikrobiom arbeitet still im Hintergrund. Wenn es aus dem Gleichgewicht gerät, macht es sich oft auf verschiedenen Ebenen bemerkbar:
- Häufige Verdauungsbeschwerden (Blähungen, Durchfall, Verstopfung)
- Hautprobleme wie Akne, Ekzeme oder Neurodermitis
- Häufige Infekte und eine geschwächte Abwehr
- Anhaltende Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Stimmungsschwankungen oder depressive Verstimmungen
- Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Interessant: Viele dieser Beschwerden werden nicht sofort mit dem Mikrobiom in Verbindung gebracht. Mehr dazu, wie Mikrobiom und Allergien zusammenhängen, erfährst du in unserem Artikel über Mikrobiom und Allergien.
Was schadet dem Mikrobiom?
Einige alltägliche Gewohnheiten können das Gleichgewicht des Mikrobioms empfindlich stören:
- Einseitige oder stark verarbeitete Ernährung mindert die bakterielle Vielfalt im Darm
- Chronischer Stress hat direkten Einfluss auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms
- Fehlende Bewegung kann die Artenvielfalt der nützlichen Darmbakterien verringern
- Zu häufiges Duschen und Waschen schwächt das schützende Milieu auf der Haut
- Antibiotika töten neben Krankheitserregern auch nützliche Bakterien ab
- Antibakterielle Reiniger & Pflegeprodukte zerstören das natürliche Hautmikrobiom
Wie kann ich mein Mikrobiom stärken?
Die gute Nachricht: Du kannst aktiv dazu beitragen, dein Mikrobiom zu pflegen und aufzubauen. Ein paar Grundprinzipien:
- Ernähre dich vielfältig und ballaststoffreich. Gemüse, Hülsenfrüchte und fermentierte Lebensmittel, sogenannte Probiotika, wie Joghurt, Kefir oder Sauerkraut fördern nützliche Bakterien
- Vermeide chronischen Stress, dazu gehört auch Schlafmangel.
- Baue (moderate) Bewegung in deinen Alltag ein.
- Vermeide unnötige Antibiotika und sprich bei einer notwendigen Einnahme immer mit deinem Arzt über begleitende Maßnahmen
- Verwende natürliche Reinigungs- und Pflegeprodukte ohne antibakterielle Zusätze
- Dusche nicht zu heiß und am besten nur mit Wasser. Es schont dein Hautmikrobiom und erhält dessen Schutzfunktion.
- Komm in Kontakt mit der Natur. Erde, Pflanzen und frische Luft, aber auch Tiere bereichern dein Mikrobiom auf natürliche Weise
- Nutze gezielte Produkte wie unsere Flüssig-Fermente, um dein Mikrobiom zusätzlich zu unterstützen und zu stärken.
Das Mikrobiom in besonderen Lebensphasen
Das Mikrobiom verändert sich im Laufe des Lebens und in bestimmten Phasen ist es besonders sensibel. Schon bei der Geburt wird der erste Grundstein gelegt: Kinder, die auf natürlichem Weg geboren und gestillt werden, erhalten eine besonders vielfältige mikrobielle Erstbesiedelung.
Auch während der Schwangerschaft verändert sich das Mikrobiom der Frau grundlegend, mit direkten Auswirkungen auf Mutter und Kind. Alles Wissenswerte dazu findest du in unserem ausführlichen Artikel: Das Mikrobiom in der Schwangerschaft und nach der Geburt.
Das globale Netzwerk der Mikrobiome
Mikrobiome sind nicht auf den Menschen beschränkt, sondern besiedeln fast alle Lebensräume auf der Erde. Jedes Lebewesen und viele Umweltbereiche haben ihr eigenes, spezifisches Mikrobiom. Sie alle kommunizieren intensiv miteinander und bilden ein vernetztes, globales System, das für die Gesundheit aller Lebewesen entscheidend ist.
Fazit: Dein Mikrobiom, deine Gesundheit
Das Mikrobiom ist weit mehr als eine Ansammlung von Bakterien, es ist ein zentrales System deines Körpers, das Immunsystem, Haut, Verdauung, Psyche und viele weitere Bereiche direkt beeinflusst. Wer sein Mikrobiom versteht und pflegt, investiert in seine langfristige Gesundheit.
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